LG Wing 5G Test: Erfrischend anders

Das LG Wing 5G im Test: Jedes Jahr bringt zwar zahlreiche Smartphone-Neuerungen mit, am Design an sich ändert sich trotz der neuen Kategorien wie faltbare Smartphones wenig. Genau hier setzt das LG Wing 5G an: Es ist dank drehendem Display und Pop-Up Kamera komplett anders als die meisten anderen Modelle. Dabei steht das ungewöhnliche Design nicht für sich selbst, sondern wird durch eine Reihe von Softwareanpassungen und die Gimbal Funktion auch richtig nützlich. Im Test alles zum neuen Außenseiter!

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LG Wing 5G Test | Klappe auf!

Auf den ersten Blick sieht das LG Wing 5G nicht anders als gewohnt aus: Vielleicht etwas dicker und etwas schwerer, im Großen und Ganzen aber genau so wie alle anderen gängigen Smartphones am Markt. LG schafft es durch geschickte Design-Kniffe wie gebogene Kanten, das LG Wing 5G sogar recht schlank aussehen zu lassen. Im Endeffekt wirkt es etwa gleich groß und dick wie das Samsung Galaxy S20 Ultra – also schon recht wuchtig, trotzdem noch deutlich im Rahmen vieler anderer High-End Android Flaggschiffe.

Das LG Wing ist aber nur auf den ersten Blick ein normales Smartphone. Mit nur einem Fingerdruck in der unteren rechten Ecke des Telefons schwenkt das gesamte Hauptdisplay in horizontaler Richtung nach oben und zeigt einen zweiten 3,9-Zoll-OLED-Bildschirm darunter.

Der Mechanismus an sich fühlt sich großartig an: Das obere Display gleitet butterweich hin und her – und rastet mit einem sehr zufriedenstellenden „Klick“ Geräusch ein. Es wirkt keinesfalls fragil oder sonstwie fehleranfällig. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich das Tear-Down Video des Youtubers „JerryRigEverything“ ansehen.

Was wirklich cool und anders aussieht, ist in der täglichen Anwendung wohl etwas gewöhnungsbedürftig. Zusätzlich ist es unter Android in der Regel ja so, dass die meisten Apps für Hochformat konzipiert werden – durchaus mit Absicht, denn die meisten halten ihr Telefon ja auch im Hochformat. Apps wie Twitter, Gmail, Chrome, etc. sind zwar auch im Querformat nutzbar, sehen so aber nicht besonders gut aus.

Am besten eignet sich das Smartphone wohl für Videos oder Spiele – bei Youtube zum Beispiel läuft das Video dann im oberen Teil, während die Steuerungselemente im unteren Teil eingeblendet werden.

Es gibt nicht so viele Anwendungen, dass es sinnvoll ist, auf Android in horizontaler Ausrichtung ausgeführt zu werden. Die meisten Telefon-Apps sind für die Verwendung im Hochformat konzipiert, so wie die meisten Benutzer die meisten Telefone die meiste Zeit halten. Und selbst Apps mit Querformatmodi (wie Twitter, Google Mail oder sogar Chrome) sehen auf diese Weise nicht besonders gut aus. Dennoch funktioniert das Zusammenspiel vom großen und kleinen Display gut – softwareseitig gibt es hier nichts auszusetzen. Soll heißen: Wenn Anwendungen von beiden Displays Gebrauch machen, ist das gut umgesetzt.

Das LG Wing 5G ist das erste Smartphone der von LG ins Leben gerufenen Explorer-Reihe. Der Sinn dahinter: Neue Smartphone-Konzepte ausprobieren, das Smartphone also anders zu denken und so neue Anwendungen dafür zu erschließen. Ich würde sagen, LG ist das besser gelungen als beispielsweise Samsung mit dem ersten Fold (Betonung auf „erstem“, das aktuelle Fold ist gut gelungen), das über zahlreiche Kinderkrankheiten verfügte. Das LG Wing 5G wirkt dagegen sehr solide und gut durchdacht.

LG Wing 5G Test | das Smartphone als Gimbal

Wirklich ernst wird es erst mit der Gimbal Funktion: Im ausgeklappten Zustand fungiert das LG Wing 5G als ein solches Gerät – ist also dazu geeignet, schwebendes Stativ genutzt zu werden. Das ist auch der Grund für die beiden Ultraweitwinkelkameras am Smartphone: Die eine, 13 Megapixel Linse kommt nur bei „konventionellen“ Aufnahmen zum Einsatz, werden es sich bei der anderen, 12 Megapixel Linse um die Gimbal Linse handelt – und die auch dezidiert nur dafür gedacht ist.

Das besondere: Das sechsachsige Stabilisierungssystem und das große 120 Grad Gesichtsfeld ermöglichen ziemlich viele coole filmische Möglichkeiten. Man verwendet einfach den am unteren Display eingeblendeten Joystick, um zu schwenken – ganz ähnlich wie auf einem echten Gimbal. Natürlich gibt es Einschränkungen, wie weit man schwenken kann – dennoch ist das für ein Smartphone recht beeindruckend.

Weitere Einschränkung: Natürlich bewegt sich die Linse (bis auf die Stabilisierung) keinen Millimeter – tatsächlich wird nur im Ultraweitwinkel-Gesichtsfeld hin und her geschwenkt. Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen und gibt es so auf keinem anderen Smartphone.

Darüber hinaus gibt es weitere Funktionen: Der Follow-Modus korrigiert vertikale Bewegungen. Man kann also ein Objekt verfolgen, das auf und ab geht und es im Rahmen zentriert lassen. Der Pan-Follow-Modus funktioniert ähnlich, nur horizontal. Und dann gibt es noch den First-Person View Modus: Der wird dann verwendet, wenn man selbst aktiv in Bewegung ist – zum Beispiel wenn man selbst Fahrrad fährt und währenddessen etwas filmt.

Neben der dezidierten Gimbal-Kamera und der konventionellen Weitwinkel Linse gibt es noch die Hauptkamera mit 64 Megapixel und Pixel Binning. Fehlt also nur die Tele-Linse – auf die muss man beim LG Wing 5G verzichten.

LG Wing 5G Test | die Kamera

So nebenbei gibt es wie weiter oben gesagt noch 2 Kameras. Eine klassische Kleinbild-Hauptkamera mit 64 Megapixel (Pixel Binning) bei ƒ/1,8 und die ebenfalls schon weiter oben angesprochene 13 Megapixel Ultraweitwinkelkamera bei ƒ/2.2. Linsen dieser Art sind heute der Standard im Mittelklasse -Segment – man merkt, dass LG beim Wing 5G (liegt in der Natur der Sache) mehr Fokus auf anderes gelegt hat.

Was keinesfalls bedeutet, dass die Performance schlecht wäre. Vor allem bei guten Licht schafft es das Smartphone dank HDR auch in Situationen mit vielen unterschiedlich ausgeleuchteten Bereichen für gute Balance zu sorgen. Selbst hier auf der durch die Sonne stark beeinflussten Aufnahme sind dunkle Bereiche wie die Träger der Brücke samt Details gut erkennbar.

Auch bei Nacht sind die Ergebnisse in Ordnung – mit Einschränkungen: Es gibt zwischen der normalen und der im dezidierten Nachtmodus geschossenen Aufnahme kaum Unterschiede. Bis auf die etwas natürlicheren Farben und die (um das Rauschen zu minimieren) starke Weichzeichnung am Bild mit aktivem Nachtmodus. Ähnlich verhält es sich übrigens auch bei Aufnahmen mit der Ultraweitwinkel Kamera.

Noch ein paar Worte zur Selfie Kamera: Die ist an sich gut gelungen, dank 32 Megapixel sind die Aufnahmen sehr detailreich und scharf. Das Besondere daran ist aber eher der Mechanismus: Die Kamera fährt bei Bedarf im Pop-Up Modus aus und ein. Das funktioniert immer reibungslos und macht auch ziemlich viel Spaß.

LG Wing 5G Test | sonstige Ausstattung

Der Rest vom LG Wing 5G ist solide Mittelklasse: Es kommt mit dem Qualcomm Snapdragon 765G zusammen mit 8 GB Arbeitsspeicher. Vollkommen ausreichend also, um sehr flüssig und flott damit zu arbeiten. Für den nötigen Saft sorgt der 4.000 mAh Akku, der es einem trotz zweier Displays erlaubt gut durch den Tag zu kommen.

Apropos Display: Das große Notch & Punch-Hole freie 6,8 Display löst mit 1.080 x 2.460 Pixel auf – genug Schärfe also, um jedes noch so kleine Symbol gut erkennen zu können. Dank OLED Technologie wirkt alles sehr kontrastreich und hell, wenn auch OLED-typisch manches mal leicht übersättigt. Im Display ist auch der optische Fingerabdrucksensor verbaut – der funktioniert im Großen und Ganzen gut, die Erkennung geht aber nicht ganz so flott wie auf anderen Smartphones. Im ausgeklappten Zustand ist er allerdings kaum zu gebrauchen – hier wäre es schön gewesen, wenn LG dem zweiten Display einen zusätzlichen Sensor spendiert hätte.

LG Wing 5G Test | Fazit

Ohne Zweifel: Das rotierende Display vom LG Wing 5G ist einmal etwas ganz anderes – in einer Welt von immer gleich aussehenden Smartphones würde ich es sogar als richtig aufregend und jedenfalls als ziemlich interessant. Neu und frisch muss aber gleichzeitig nicht bedeuten, dass es besser ist als andere Smartphones. Nehmen wir zum Beispiel den Gimbal Modus: Klar profitiert das Smartphone hier von seinem einzigartigen Design. Da der Modus allerdings genau genommen nur ein Software-Feature ist, hätte LG ihn auch bei seinen anderen, konventionellen Smartphones einführen können. Nimmt man dieses Feature also weg, macht das rotierende Display nur noch wenig Sinn.

Nichtsdestotrotz: Das LG Wing 5G ist ein richtig guter Aussenseiter. Man kann nur hoffen, dass LG mit seiner Explorer Strategie erfolgreich ist und uns noch viele weitere, außergewöhnliche Smartphones liefert. Man soll sich ruhig auch einmal etwas trauen dürfen, der mit Einheitsbrei übersättigte Markt sollte immer wieder mal wachgerüttelt werden.

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