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Neue Studie: Jugendliche im Schönheitsideale-Wahn

Zwei Drittel der Jugendlichen stimmen zu: Ob sie sich schön finden oder nicht, wird von den sozialen Medien beeinflusst.

Safer Internet Day will Bewusstsein fördern

Together for a better Internet“ lautet das Motto für den Aktionstag, der zu mehr Sicherheit im Internet auffordern will. Der internationale Safer Internet Day findet dieses Jahr am 6. Februar 2024 in über 150 Ländern zum 21. Mal in Folge statt. Ziel ist es, die Medienkompetenz von jungen Menschen und einen kompetenten Umgang mit dem Internet zu fördern. Alle, ob Institution, Organisation, Initiative, Schule, Bildungseinrichtung, Jugendorganisation, Unternehmen oder Privatperson, sind dazu eingeladen, sich mit einem aktiven Beitrag für ein besseres Miteinander in der digitalen Welt zu beteiligen. Neben immer wieder aufkommenden Themen wie Fake News oder Datenschutz und Privatsphäre, ist auch das Thema Schönheitsideale hoch im Kurs. Sicherheit im Internet und Medienkompetenz: Diesen Themen hat sich A1 mit dem A1 digital.campus verschrieben.

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Neue Gefahrenzone: Schönheitsideale

Die neue Jugendstudie zum Thema „Schönheitsideale im Internet“ zeigt, dass sich Jugendliche vermehrt durch idealisierte Körperbilder im Internet unter Druck gesetzt fühlen. Insbesondere Influencerinnen und Influencern wird ein großer Einfluss auf die eigene Körperwahrnehmung zugesprochen. Und das geht nicht an den jungen Followern vorbei: die Hälfte der befragten Jugendlichen würden gerne etwas an ihrem Aussehen ändern, ein Viertel hat sogar schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht. Auch obwohl das Thema schon seit geraumer Zeit im Fokus steht, wird ihm ein wachsendes Risiko zugesprochen, denn aktuell kursieren nicht nur bearbeitete Bilder, sondern auch von künstlicher Intelligenz erstellte Fotos im Internet.

„Eher zufrieden“ aber gerne noch besser

Offline, wie auch online ist es den jungen Leuten wichtig, gut auszusehen. Und auch wenn 70 Prozent der befragten Jugendlichen angeben, „eher zufrieden“ mit ihrem Aussehen zu sein, würden gerne 51 Prozent der Burschen und 60 Prozent der Mädchen etwas an ihrem Aussehen verändern. Besonders bei den geposteten Bildern spielt das äußere Erscheinungsbild eine große Rolle - wichtige Kriterien hierbei sind: schön, gestylt und schlank auszusehen. Sich sexy darzustellen hat bei den Burschen aber eine größere Bedeutung als bei den Mädchen. Um sich in den Sozialen Medien bestmöglich in Szene zu setzen, haben die Jugendlichen folgende Tricks parat: Licht, Posen und Handywinkel machen den Trick, wobei bearbeitete Foto und Videos mit beispielsweise Einsatz von Filtern auch sehr beliebt sind.

Soziale Medien haben einen großen Einfluss auf die Selbstwahrnehmung

Soziale Netzwerke beeinflussen, ob man sich selbst schön findet oder nicht – dem stimmen zwei Drittel der Befragten zu. Dass das Internet und die darin konsumierten Bilder sich aber auch auf das Maß von Vergleichen mit anderen auswirkt, dem stimmen fast drei Viertel der Jugendlichen zu - über ein Viertel der Befragten gaben sogar an, sich nach dem Scrollen auf verschieden Social-Media–Plattformen schlecht zu fühlen. Vor allem den Influencerinnen und Influencern aus den Bereichen Beauty und Fitness sprechen die Befragten einen Einfluss zu. 53 Prozent geben auch an, schon einmal aufgrund von diversen konsumierten Bildern, etwas an ihrem Aussehen geändert zu haben. Genauso viele junge Leute haben bereits ein Produkt akquiriert, dass ihnen online empfohlen wurde. Laut Studie haben 28 Prozent sogar schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht.

Avatare als potenzieller Schutz gegen Beleidigungen im Netz

74 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, dass sie im Netz nicht nur unrealistische Schönheitsideale, sondern auch Beleidigungen bezüglich ihres äußeren Auftretens ausgesetzt sind. „Vor allem Mädchen (84 Prozent) berichten von abwertenden Äußerungen im Internet und in Sozialen Netzwerken. Vielleicht spielen auch deshalb Avatare in der digitalen Welt eine zunehmend wichtigere Rolle“, so der Autor. Dass solch ein Avatar auch gut auszusehen hat, darauf legt fast ein Drittel der Befragten Wert.

Strategien zum Eigenschutz auf Sozialen Medien

Das steigende Maß an Wichtigkeit, sich selbst zu schützen, wird von den unterschiedlichen Strategien der Befragten unterstrichen. Das selbstständige Arbeiten an der eigenen Selbstakzeptanz wird von den meisten (67 Prozent) als besonders effektiv wahrgenommen. Auch das bewusste Versuchen, sich nicht unter Druck setzen zu lassen, so wie auch das eigene Hinterfragen, warum genau diese spezifischen Inhalte sich so negativ auf einen selbst auswirken, gilt als hilfreich. Aber das ist noch lange nicht alles, die Jugendlichen sind kreativ im Strategien entwerfen. „Von den Jugendlichen in den Fokusgruppen wurde als weitere Möglichkeit ein „Reality Check“ genannt – also „rausgehen und schauen, wie die Leute wirklich sind“, erklärt der Autor. Auch haben die Jugendlichen gelernt, dass Social-Media-Pausen und nur das gezielte Folgen von Influencerinnen und Influencern, die einem auch wirklich guttun, sich positiv auswirken. Sich gegenseitig den Rücken zu stützen und sich auch hier und da Komplimente zu machen, empfinden 59 Prozent als hilfreich, wobei 28 Prozent behaupten, gerne gemeinsam über diverse Beiträge zu lachen. Trotz der zahlreichen Strategien, bewiesen die Fokusgruppen, dass sich die Befragten der starken Wirkung von Online-Angeboten oft nur mit viel Mühe entziehen können.

Lehrende, Online-Plattformen – aber auch Eltern: Sie sind jetzt gefordert

57 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Lehrende, Online-Plattormen, wie auch Eltern ein wichtiger Bestandteil dafür sind, Jugendliche im Umgang mit dem Internet zu unterstützen. Problematisch ist, dass viele Elternteile über nicht genug Medienkompetenz verfügen. „Den Schulen fällt dabei die Schlüsselrolle zu, auch die Eltern zu erreichen und ihnen Aufklärungsmaterial anzubieten“, ist sich der Autor sicher. Viele Jugendliche sind der Ansicht, dass auch die Schule ein passender Ort wäre, um Schönheitsideale zu thematisieren. Auch bei Plattformbetreibern stellen die Befragten Verbesserungspotential fest, denn 63 Prozent der Befragten meinen, das Kennzeichnen von bearbeiteten Bildern, sei sinnvoll.

Zahlreiche Angebote zur Unterstützung

Um Jugendliche bei den vielfältigen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem körperbezogenen Selbstbild zu unterstützen, werden zahlreiche Maßnahmen und Informationsmaterialien bereitgestellt. Konkrete Hilfsstellungen und Anregungen zu diesem Thema erhalten Interessierte im Rahmen von Workshops, Elternabenden, einer FAQ-Sammlung zur Selbstdarstellung sowie verschiedene Unterrichtsmaterialien. Die neue ISPA-Broschüre „Schönheitsideale im Internet: Tipps für einen selbstbewussten Umgang mit Schönheitsidealen in virtuellen Welten“ informiert ebenfalls über das Thema und bietet Unterstützung durch Ratschläge zur selbstbestimmten Auseinandersetzung mit körperlichen Idealvorstellungen im Internet und in sozialen Medien.

Glühbirne

A1 digital.campus

Spaß an Technik und Digitalisierung stehen bei der Bildungsinitiative A1 digital.campus im Mittelpunkt. Mit einem vielfältigen, kostenfreien und innovativen Workshop-Programm ermöglichen wir Kindern, Jugendlichen, Eltern, Pädagog:innen und Kindergartenpädagog:innen, aktiv in die digitale Welt einzutauchen und diese mitzugestalten. Hier findest du das gesamte Kursangebot.

Über die Studie

Die Studie „Schönheitsideale im Internet“ wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet.at durchgeführt. Im Befragungszeitraum (Dezember 2023) nahmen 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren teil, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund. Zusätzlich wurden vier Fokusgruppen-Gespräche mit insgesamt 56 Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren durchgeführt. A1 ist eine der Sponsorinnen von Saferinternet.at.

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