Gerätesteuerung zuhause: IP-Kamera Light

Wolfgang hat eine Leidenschaft für das IoT (=Internet of Things) und schreibt in mehreren Teilen über Heimvernetzung. In diesem Artikel behandelt er das Thema der Livestream Einrichtung mittels Webcam.

Im letzten Teil der Serie war von IP-Webcams die Rede, die eher permanent an einem bestimmten Ort im Haus montiert sind. Besonders im Bezug auf Sicherheitsrisiken (offene Telnet-Ports –zB. als root ohne Passwort) und eine völlig undurchsichtige Cloud-Speicherung, ist die Auswahl einer sicheren IP-Kamera, wie im letzten Artikel beschrieben, ein äußerst schwieriges und zeitaufwändiges Verfahren.

Es geht auch wesentlich einfacher und ohne große Sicherheitsrisiken, Freunden einen Einblick in Hobby-Bereiche zu geben: Hier zeige ich euch einen simplen Weg am Beispiel meiner aktuellen Amselnest-Kamera.

Für meine Amselnest-Kamera habe ich eine alte USB-Webcam eingesetzt, wie sie im Handel ab 20 Euro erhältlich sind. Natürlich sollte diese schon eine entsprechend gute Auflösung haben.

Heimvernetzung IP Kamera

Vorkehrungen

Als sich abgezeichnet hat, dass heuer wieder Amseln auf meinem Küchenbalkon ein Nest bauen, habe ich die Kamera fest montiert und das Signal über ein USB-Verlängerungskabel zu einem alten Notebook in die Küche geleitet. Das alte Notebook steht dazu vorübergehend auf einem Metall-Backblech weitab von jeglichen entzündlichen und brennbaren Dingen. Zusätzlich auch noch auf abgeschnittenen Korken damit von unten ausreichend Luft zur Kühlung dazukommt. Diese Vorkehrungen sind schlichtweg für unbeaufsichtigt laufende Geräte aus Brandschutzgründen zwingend erforderlich.

Die hier vorgestellte Lösung bezieht sich auch eher auf einen relativ kurzen Einsatz (wie hier die Amselbrut und Nestlingszeit von etwa 4 – 5 Wochen), denn vom Stromverbrauch ist ein eigens als Webserver laufendes Notebook auf Dauer natürlich ein ungünstiger Kostenfaktor.

Software

Als Software für den Webserver gibt es nach meiner Recherche derzeit drei freie Angebote für Windows-User. Im kostenpflichtigen Bereich natürlich mehr.

Eine Lösung wäre der VLC-Player, der auch als Streaming-Server eingesetzt werden kann. Diese Lösung ist ideal um in perfekter Qualität von VLC zu VLC zu streamen, also etwa von der Küche ins Wohnzimmer. Die Konfiguration übers Internet nach außen ist jedoch leider eine so komplizierte Sache, dass ich nicht weiter darauf eingehen möchte, da es auch einfacher geht:

Halbwegs einfach einzurichten ist die Software „WebcamXP“, einige Tüftelei bleibt dennoch, bis alles richtig läuft und dann nervt noch die ständige Werbung im Bild.

YAWCAM

Daher möchte ich hier das einfachste Produkt näher schildern, das ist das wunderbare Produkt „YAWCAM“ (Yet Another Webcam Software). Das Programm ist von Magnus Lundvall, der bei erfolgreicher Verwendung seiner Software um eine freiwillige Spende für die Krebsforschung bittet, was wir gerne machen. In seinem Forum http://www.yawcam.com/ gibt es viele Antworten, sollte unerwarteter Weise doch noch ein Problem auftreten.

Sobald also die Webcam vom Server-Notebooks erkannt wird, kann man YAWCAM installieren: Man wählt als Quelle die USB-Kamera aus und schon ist diese als Webserver „auf Sendung“. Zum Testen im A1-Heimnetz unter der Adresse „10.0.0.6:8081“. Diese Adresse ist dann im ganzen Haus erreichbar, was für viele Zwecke schon reichen wird. Von außen ist sie noch nicht erreichbar.

Heimvernetzung YAWCAM

Für eine Freigabe nach außen muss noch die IP-Adresse des sendenden Server-Notebooks über ddns freigegeben werden und schon kann man seinen Freunden den Link zum Hobby-Bereich mit Live-Betrachtung senden.

Heimvernetzung IP Adresse

Rechtlicher Hinweis

Hinweis: Auch wenn „Amselcam“ vielleicht verspielt klingt, auch bei Videokameras im Internet gilt die Rechtsordnung mit allen strafrechtlichen Konsequenzen! Wie schon im vorigen Artikel beschrieben, muss die Kamera zwingend auf Hobby- und eigene Bereiche beschränkt bleiben, Privatbereiche mit Personen oder auch den eigenen Kindern, öffentliche Bereiche, Nachbarbereiche etc. sind absolut tabu! Auch wenn man die Adresse der Kamera „nur“ im Freundeskreis weitergibt, sollte man sich bewusst sein, dass ein solcher Link vielleicht unvorsichtig von jemandem recht rasch weitergegeben werden kann, was durchaus ungünstige Auswirkungen haben kann.

Fazit

Wir haben mit dieser einfachen Lösung über YAWCAM eine sehr gute Methode, interessante Motive im Freundeskreis herzuzeigen. Auf meinem „Amselcam-Notebook“ befinden sich außer dem Betriebssystem und YAWCAM keine weiteren Daten. Der Kamerablickwinkel ist so gewählt, dass außer der Amsel keine weiteren privaten oder öffentlichen Dinge ins Bild geraten. Und selbst bei dem Motiv Amselbrut finde ich es sehr beruhigend, dass keine Daten auf irgendwelchen mir unbekannten Clouds landen oder dass es keinen offenen Telnet-Port zum Auslesen aller Passwörter im Heimnetz gibt. Einen kleinen Nachteil gibt es leider dennoch: Magnus Lundvall möchte derzeit kein Update seiner Software bringen, ein eventuell benötigter Audio-Stream müsste laut den Anleitungen in seinem Forum ergänzt werden. Ein entspannender Blick auf meine Amselcam in Besprechungen erlaubt allerdings ohnehin keine Geräusche: Bei Gewächshäusern oder Aquarien dürfte Audio auch nicht allzu relevant sein.

Mit YAWCAM können die Aufnahmen als Live-Stream angeboten werden. Die Software passt die Frame-Rate entsprechend der Anzahl der Zuseher automatisch an. Alternativ kann man im Falle von sehr vielen Zusehern auch auf aktualisierende Einzelbilder umschalten. Neben dem PC-Browser und Smartphone-Browser erkennen auch die vorher angesprochenen Smartphone-Apps „IP Camera Viewer“ oder „TinyCam“ das Programm YAWCAM als Webkamera und zeigen ein hervorragendes Live-Bild.

Heimvernetzung Amselcam IP Kamera

Wir freuen uns auf Eure Berichte, welche Hobby-Bereiche Ihr mit dieser Anleitung Euren Freunden zeigen möchtet.

 

 

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