Huawei Mate 9: Starkes Phablet im Test

Der Kronprinz setzt zum Überholmanöver an: Huawei hat sich in den vergangenen Jahren hinter Samsung und Apple auf Platz 3 eingereiht. Beim Huawei Mate 9 wurde am Display, der neuen Leica Dualkamera und der Akku-Technologie geschraubt. Ob mit dem High-End Phablet tatsächlich der erste Schritt Richtung Thron gelingt, soll der Flagship-Test zeigen.


Das 5,9 Zoll große Phablet: Huawei Mate 9 im Flagship-Test | Bild: A1/Felix Stoisser

Huawei Mate 9 – Das ist neu
Der chinesische Hersteller spendiert der Mate-Serie erstmals eine Dualkamera: Wie auch beim Huawei P9 entstand die Hauptkamera aus einer Kooperation mit Leica. Gegenüber der P-Reihe wurde jedoch der Monochrom-Sensor in der 2. Generation stark überarbeitet. Das Mate 9 ist außerdem das erste Huawei-Smartphone, welches serienmäßig mit Android-7 Nougat geliefert wird. Der Ladeprozess erfolgt nun mittels USB-Typ C-Anschluss und eigenem Ladekabel, welches die sogenannte „Super Charge“-Funktion unterstützt: Der Akku wird so beispielsweise innerhalb von 30 Minuten von 0% auf 57% geladen. Die App-Klon-Funktion wird speziell Dual-SIM-Nutzer erfreuen (mehr dazu weiter unten).

Design
Das Äußere des Huawei Mate 9 macht meiner Meinung nach einen sehr hochwertigen Eindruck. Trotz seiner Größe liegt das Phablet (Mischwort aus „Phone“ und „Tablet“) sehr angenehm in der Hand und lässt sich in den meisten Situationen problemlos einhändig bedienen. Die Kanten wirken nun etwas runder und auch die Ränder sind gegenüber dem Mate 8 schmaler ausgefallen.


Das hochwertige Aluminium-Unibody Gehäuse des Huawei Mate 9 überzeugt im Alltag | Bild: A1/Elisabeth Höfferer

Die Rückseite des 5,9 Zoll-Boliden überzeugt mich durch sein schönes Aluminium-Unibody Gehäuse. Nur an der Ober- und Unterseite wurde Kunststoff eingearbeitet um die Empfangsqualität zu erhöhen. Auf der Vorderseite schützt Gorilla Glas 3 das Display vor unerwünschten Kratzern. Augenscheinlich ist die größere Hauptkamera, die sich diesmal aus zwei Leica-Linsen zusammensetzt: Leider schließt der Sensor nicht mit dem Gehäuse ab, sondern steht etwas hervor. Optisch passend wurde der darunterliegende Fingerabdrucksensor ein wenig verkleinert. An der Unterseite des Smartphones findet sich erstmals im Zuge der Mate-Reihe ein USB-Typ C-Anschluss (leider nur USB 2.1). Umgeben ist dieser von zwei Lautsprecheröffnungen, wobei sich nur hinter der rechten Öffnung wirklich ein Lautsprecher verbirgt.

An der oberen Kante setzt Huawei weiterhin auf einen physischen 3,5mm Kopfhöreranschluss. Dank benachbartem Infrarot-Port können Fernseher oder Beamer mit dem Device angesteuert werden. In den Schacht können eine Nano SIM-Karte und eine microSD-Karte eingesetzt werden können (in Europa ist nur die Single-SIM Variante verfügbar). Die Steuerung des Geräts erfolgt wie von Huawei gewohnt über die On-Screen-Tasten.


Das IPS-Panel löst scharf auf und gibt Farben kräftig wieder | Bild: A1/Felix Stoisser

Display
Das Display des Mate 9 ist mit einer Abmessung von 156,9 x 78,9 x 7,9mm minimal kleiner geworden (das Mate 8 hatte noch 6 Zoll) und besitzt nun einen 5,9 Zoll großen Full-HD Bildschirm (1920 x 1080 Pixel = 373 ppi). Als Referenzmodell kann das iPhone 7 Plus genannt werden, das bei ähnlichen Abmessungen jedoch nur 5,5 Zoll erreicht.

Die zusätzlichen 5 Gramm vom Mate 8 auf das Mate 9 (aktuelles Gesamtgewicht: 190 Gramm) werden im Alltagstest wahrscheinlich niemanden auffallen. Dafür sticht das verbaute IPS-Panel, welches für kräftige scharfe Farben und eine geringere Blickwinkelabhängigkeit sorgt, wieder sofort ins Auge: Die satten Farben, die intensive Bilddynamik und der gute Weiß- und Schwarzwert gefallen mir ausgesprochen gut. Die Farbechtheit und die Helligkeit überzeugen mich sogar noch eine Spur mehr als beim Vorgängermodell: Auch bei wechselnden Lichtverhältnissen lässt sich das Display einwandfrei ablesen. Softwareseitig kann das Device zudem auf eine gewünschte Display-Farbtemperatur gestellt werden. Die Option „Sehkomfort“ filtert blaue Töne aus dem Bildschirm und macht das Leseerlebnis bei nächtlichen Verhältnissen noch angenehmer.


Rückansicht: Die Leica Dualkamera und der Fingerabdrucksensor des Huawei Mate 9 | Bild: A1/Felix Stoisser

Performance
Treibende Kraft des Phablets ist der hauseigene HiSilicon Kirin 960 Prozessor mit maximalen 8 x 2,4 GHz (4x 2,4 GHz & 4x 1,8 GHz). Der Arbeitsspeicher werkt mit 4 GB und sorgte im Test für ruckelfreies Arbeiten: Selbst bei App-Multitasking, spontanen Programmwechseln (Öffnen/Schließen) und anspruchsvolleren Spielen arbeitet das Mate 9 stets flüssig & zuverlässig. Ein Mali-G71-Grafikchip begünstigt zudem die klare Darstellung von hardwarelastigen Titeln.

Größere Dateisammlungen können am 64 GB internen Speicher abgelegt werden: Dieser besteht diesmal aus einem schnellen Samsung-Flashspeicher und hat im Werkzustand noch rund 50 GB freie Kapazität offen. Obendrein kann der Speicher mittels microSD-Karte um bis zu potentielle 2 TB erweitert werden. Somit sollten selbst gewaltige Bildarchive oder umfangreiche App-Sammlungen Platz finden.

Im AnTuTu Benchmark-Test reiht sich das chinesische Phablet mit 123.000 Punkten knapp hinter Qualcomms Snapdragon 820 oder Samsung Exynos 8890 ein. Meiner Meinung nach handelt es sich beim Huawei Mate 9 definitiv um eines der derzeitig schnellsten Smartphones.

Software & Features
Das Mate 9 ist Huaweis erstes Highendgerät, das serienmäßig mit Android-7 Nougat geliefert wird. Daneben kommt EMUI 5.0 als schicke Bedienoberfläche zum Einsatz. Die Emotion UI wirkt diesmal etwas aufgeräumter und nicht so stark verspielt: Auch wenn sich hier die Android-Gemüter spalten werden, ich finde die Menüs schön gelöst.
Ein neues cooles Feature ist die App-Klonungs-Funktion: Sollten beispielsweise zwei SIM-Karten eingesetzt werden, war man bei Apps bisher immer von einer Nummer abhängig. Nun können Apps wie WhatsApp oder Facebook geklont werden und für jede SIM-Nummer kann ein separater Account genutzt werden: Eine praktische Sache wie ich finde. In Zukunft werden sicherlich weitere unterstützte Apps folgen. (Update: In Österreich ist leider nur die Single-SIM Variante verfügbar.)
Als Fingerabdrucksensor kommt die Version „Finger Print 3.0“ zum Gebrauch: Huaweis Technologie zählt nach meinen Erfahrungswerten unbestritten zu den besten am Markt. Mit der neuen Wischgeste über den Fingerabdrucksensor lässt sich die Benachrichtigungsleiste herunter ziehen: Eine zusätzliche Erleichterung wenn man das Smartphone nur einhändig bedienen kann/will.

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Huawei Mate 9 - Testbild: Gute Lichtverhältnisse beim Eislaufen auf der Alten Donau
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Kamera
Die Hauptkamera wurde im Vergleich zum Huawei Mate 8 und zum Huawei P9 noch einmal überarbeitet: Gegensätzlich zum Mate 8 wird nun eine Leica Dual-Linse eingesetzt, die seit dem P9 hardwareseitig weiterentwickelt wurde. Der RGB-Sensor kommt unverändert mit 12-Megapixel aus, der Monochrom-Sensor wurde hingegen auf 20-Megapixel aufgerüstet: Beide Sensoren der Hauptkamera zeichnen zeitgleich auf und berechnen anschließend ein detailreicheres Foto mit hoher Bilddynamik. Bei exzellenten Lichtverhältnissen macht das Mate 9 ausgezeichnete, farbenfrohe und scharfe Aufnahmen. Auch der Weißabgleich steuert seinen Beitrag zu ausgezeichneten Bildern bei. Die beiden Sensoren simulieren außerdem einen 2x optischen Zoom, der im Test bei ausreichend Licht sehr schöne Ergebnisse erzielte. Fotos werden bei schwachem Licht (trotz anständigem Bildstabilisator) nicht ganz so rund wie beispielsweise beim Samsung Galaxy S7 oder iPhone 7 Plus: Hierbei handelt es sich allerdings um Kritik auf hohem Niveau. Die gute Frontkamera schießt mit 8-Megapixel sehenswerte Selfies, die mir sehr gefallen. Zu erwähnen ist der Auto-Fokus, der im Mate 9 hinzugekommen ist. Videos werden am 5,9 Zoll-Smartphone in 4K aufgezeichnet.
Softwareseitig hat sich beim vorliegenden Modell nicht soviel getan: Die Menüs sind intuitiv aufgebaut und überzeugen vor allem durch die integrierten Leica-Fotofilter. Speziell mit dem Monochrommodus gelangen mir selbst bei schwachen Lichtverhältnissen beachtenswerte Resultate. Meine Beispielbilder findet ihr wie immer im Slider darüber.


Die Kameramodi des Huawei Mate 9 | Screens: A1/Felix Stoisser

Sound
Wie bereits erwähnt, gelangen nur von der rechten Lautsprecheröffnung Töne ans Ohr. Die linke Seite dient einzig einem dekorativen Zweck. Für den Fall, dass das Smartphone im Querformat gehalten wird, schaltet das Gerät automatisch, die an der Oberseite platzierte Hörmuschel ein und erzeugt so einen Stereosound. Eine akustische Offenbarung darf man sich nicht erwarten, trotz allem bin ich von der guten Klangqualität des Mate 9 sehr angetan. Daneben gibt es wieder einen verbauten 3,5mm Kopfhöreranschluss.

Akku
Stolze 4.000 mAh versorgen das Flaggschiff mit dem nötigen Saft. Abhängig von Nutzungsgewohnheiten und ob eine oder zwei Nano SIM-Karten eingesetzt werden, kam das Mate 9 im Test auf 1 ½ – 3 Tage Akkulaufzeit: Ein guter Wert angesichts des großen Displays. Geladen wird das Smartphone mittels USB-Typ C und dem eigens mitgelieferten Ladekabel, das die „Super Charge“-Technologie unterstützt. Innerhalb von eineinhalb Stunden ist das Device wieder von 0 auf 100% geladen. Zusätzliche Stromsparmodi sollen schon vorab die Nutzungsdauer verlängern.


Das Huawei Mate 9 überzeugt mit hochwertigem Design & starker Leistung im Test | Bild: A1/Felix Stoisser

Fazit

Hochwertiges Design trifft starke Performance: So prägnant lässt sich das Huawei Mate 9 nach meinem mehrtätigen Test beschreiben. Die schöne Verarbeitung konnte mich genauso wie das farbintensive Display und die ausgezeichnete Leica Dualkamera überzeugen. Mit dem flotten Prozessor, dem intuitiven Fingerabdrucksensor und der Super Charge-Funktion spielt das Phablet definitiv in der oberen Liga mit: Wenn Huawei die ausgezeichnete Qualität seiner Highend-Geräte über die nächsten Jahre halten kann, wird der bisherige Smartphone-Thron über kurz oder lang ordentlich ins Wanken geraten.

 

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Huawei Mate 9 – Technische Daten im Überblick

  • Abmessungen: 156,9 x 78,9 x 7,9mm, 190 Gramm
  • Betriebssystem: Android 7.0 – Nougat
  • Display: 5,9 Zoll IPS-LCD Full-HD Display bei 1920 x 1080 = 373 ppi
  • Kamera. Dualkamera – 20 MP/12 MP (Rückseite) bei ƒ/1.9 und 8 MP (vorne für Selfies) ƒ/2.2, 4K Videoaufnahme, Dual LED Blitz
  • Prozessor: Kirin 960, Octacore bei 4 x 2,4 Gigahertz, 4 x 1,8 Gigahertz
  • Speicher: 4 GB Ram, 64 GB interner Speicher – mit MicroSD bis zu 2048 GB
  • Akku: Li-Ionen mit 4.000 mAh – nicht wechselbar, Super Charge
  • Konnektivität: GSM/EDGE/UMTS/LTE Cat12, WLAN, Bluetooth

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  1. Klaus

    Bitte bringt auch für das Mate 9 bzw. das kommende Mate 10 VoWIFI!

    • A1 Blog Redaktion

      Hallo Klaus, bist du Huawei Fan? Für das Mate 9 ist nach meinem derzeitigen Wissensstand nichts geplant. Für das kommende Mate kann ich es mir aber gut vorstellen. Werde dein Feedback auf jeden Fall in die entsprechende Abteilung weiterleiten. LG & einen angenehmen Donnerstag, Felix

  2. Markus

    Hallo Felix,

    konntest du einen Zeitpunkt für die Verfügbarkeit von VoWIFI mit A1-Mate-9-Geräten in Erfahrung bringen.

    lg
    Markus

    • Felix Stoisser

      Hallo Markus,
      ich habe mich gerade nochmal für dich erkundigt: Aktuell stehen das P10 und P10 Lite im Vordergrund, für das Mate 9 ist daher leider so schnell nichts angedacht. Sollte sich doch noch etwas ändern, werde ich mich melden.
      LG & einen schönen Montag, Felix

  3. Thomas

    Hallo Felix

    Habe ein freies Huawai Mate 9 gekauft.

    Würde mich auch interessieren ob und wann VOLTE freigeschaltet wird.

    Danke

    • Felix Stoisser

      Hi nochmal Thomas,
      wie ich beim andren Beitrag geschrieben habe: Bei freien Geräten klappt VoLTE leider nicht.
      Wünsch dir einen schönen Donnerstag & LG, Felix

  4. Markus

    Hallo Felix,

    funktioniert bei A1 inzwischen VoLTE und VoWIFI mit dem Mate 9? Ich habe gelesen, dass es in Deutschland sogar ohne Provider-Anpassung funktioniert – also auch mit frei gekauften Geräten. Wie sieht es diesbezüglich bei A1 aus?

    Danke für die Auskunft
    Markus

    • Felix Stoisser

      Hallo Markus,
      aktuell ist mir zum Mate 9 noch nichts bekannt (beim P10 klappt es bald). Kann aber kommende Woche nochmal für dich bei der zuständigen Kollegin nachfragen. LG, Felix

  5. Thomas N.

    Euer Testbericht hat Fehler. Der Online-Shop und die A1 Shops iefern nur die Singlesim Variante des Mate 9 aus. Daher kann keine zweite Simkarte genutzt werden. Bitte dies ausbessern.

    • Felix Stoisser

      Hallo Thomas,
      du hast Recht in Österreich ist nur die Single SIM Variante verfügbar, als Testgerät hatte ich eine Dual SIM Version. Habe diese Info im Bericht hinzugefügt.
      LG,
      Felix

    • Felix Stoisser

      Hallo Johannes,
      du hast Recht, das Mate 9 ist wirklich ein technisches „Wunderwuzi“. 🙂 Seit gestern gibt es das Gerät bei A1 zu bestellen, daher vermute ich, dass in den kommenden Wochen/Monaten ein Software-Update via OTA (Over-the-Air) erfolgen wird.
      LG,
      Felix

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