Im Test: Samsung Galaxy Z Flip

Handy-Nutzer der ersten Stunde werden es wohl lieben: Mit dem Samsung Galaxy Z Flip feiert eine beinahe in Vergessenheit geratene Telefon-Gattung ihr fulminantes Comeback. Damit können nun auch immer größer werdende Smartphones endlich in ein handlicheres Format zusammengeklappt werden. Das Z Flip verkörpert nicht nur die Verarbeitung ausgeklügelter Technik, sondern auch eine Menge verloren geglaubten Lifestyle. Werden wir bald nur mehr mit faltbaren Smartphones herumrennen? Im Test alles rund um das Samsung Galaxy Z Flip.

Klappe auf: Das neue Samsung Galaxy Z Flip

 

Samsung Galaxy Z Flip – Design

Zu den besten Dingen im Leben gehört wohl, lieb gewonnenes unerwartet zurück zu bekommen. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich mir im Jahre 2003 mein erstes Klapphandy – das Panasonic GD87 – zulegte. Das Auf- und zuklappen war für mich damals ähnlich zufriedenstellend wie heute für viele Fidget-Spinner. Das neue Galaxy Z Flip schlägt genau in diese Kerbe: Damit läutet auch der größte Smartphone Produzent der Welt die Ära kleiner, faltbarer Smartphones ein.

Das hat natürlich zur Folge, dass es im zugeklappten Zusand doppelt so dick ist wie aufgeklappt. Dafür ist es aber nur um die Hälfte so groß – und das wird vor allem bei jenen Leuten Freude machen, die wenig Platz in ihren Hosentaschen haben. Haptisch fühlt es sich zusammengeklappt jedenfalls toll an: Es ist trotz Glasoberfläche griffig und damit schnell aus der Hose zu ziehen. Um wichtige Benachrichtigungen zu überprüfen muss es nicht aufgeklappt werden – solche Informationen können vom winzigen Front-Display abgelesen werden.


Das große Aha-Erlebnis kommt dann beim Aufklappen. Und zwar in mehrfacher Hinsicht: Erstens fühlt sich der Klappmechanismus, also die Gängigkeit des Scharniers, extrem gut an. Es ist genau richtig, also weder zu leicht, noch zu schwer zu öffnen. Zusätzlich kann es in jedem beliebigen Winkel geöffnet werden – Samsung hat am sogenannten „Freestop“-Scharnier wirklich großartige Arbeit geleistet. Um die für eine möglichst hohe Langlebigkeit des Mechanismus zu sorgen, hat Samsung winzige Borsten am Mechanismus angebracht. Staub gilt bekanntlich als einer der größten Feinde von Feinmechanik.

Das Scharnier lässt sich bis zu einem Winkel von 180° aufklappen. Eine Überdehnung ist dabei nur mit äußerster Krafteinwirkung möglich. Überhaupt wirkt das Galaxy Z Flip dank des Metallrahmens extrem stabil und in keiner Weise fragil. Das an den beiden Außenseiten angebrachte Glas macht einen sehr wertigen Eindruck, auch wenn es Fingerabdrücke geradezu magnetisch anzieht.

Ob ein faltbares Smartphone Vorteile abseits der ohne Zweifel handlichen Größe im zusammengeklappten Zustand hat, wird sich wohl erst weisen. Samsung hat auf jeden Fall einen eigenen Flex Mode erschaffen, der bei bestimmten Apps (wie der Kamera oder Videotelefonie via Google Duo) den Anzeigebereich in die obere Hälfte und den Steuerungsbereich in die untere Hälfte verschiebt. Darüber hinaus kann das Design mitunter dabei helfen, Aufnahme aus ungewöhnlichen Perspektiven zu machen.

Samsung Galaxy Z Flip – Display

Ein faltbares Smartphone wird natürlich erst durch ein faltbares Display möglich. Bisher wurde bei flexiblen Displays immer auf Kunststoff gesetzt. Beim Galaxy Z Flip gibt es erstmals faltbares Glas – dafür hat Samsung extra eine eigene Art (kreativer Name: Ultra-dünnes Glas) entwickelt. Das gibt es aber nur in homöopathischen Dosen: Eine extrem dünne Schicht Glas ist tatsächlich direkt oberhalb der OLEDs angebracht. Die wird aber wiederum durch eine Schicht aus Kunststoff geschützt. Trotzdem fühlt sich Wischen und Tippen am Galaxy Z Flip sehr ähnlich wie auf einem Premium-Smartphone aus Glas an, insofern scheint sich also sogar diese dünne Schicht auszuzahlen. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte dich das Tear-Down Video des youtubers jerryrigeverything ansehen.

Während das Scharnier gegen Staub ausreichend geschützt ist, sieht das beim Display anders aus: Der Bildschirm aus Kunststoff und Glas ist nicht gerade widerstandsfähig, man sollte also unbedingt vermeiden darauf mit Objekten härter als der eigene Fingernagel darauf herumzukratzen. Selbst Samsung weist via großem am Smartphonedisplay angebrachten Sticker darauf hin, das Smartphone vorsichtig zu behandeln. Dank des faltbaren Designs spielt der Schlüssel in der Hosentasche ohnedies keine Rolle, bei der Nutzung am Sandstrand ist aber Vorsicht geboten.

Es liegt in der Natur der Sache dass wenn man etwas faltet, eine Falz entsteht. Das Galaxy Z Flip macht hier keine Ausnahme – schon nach den ersten Faltvorgängen ist sie mittig am Display zu sehen. Allerdings stört die subjektiv nicht unbedingt – durch die erstklassige Qualität des Displays wird die Aufmerksamkeit immer auf den Content gelegt, der mittige Abdruck fällt also nicht ins Gewicht. Apropos Abdruck: Anders als bei vielen anderen Smartphones wird nicht via Sensor im Display, sondern mittels seitlichen Buttons entsperrt – dort ist der Fingerabdrucksensor integriert.

Samsung Galaxy Z Flip – Display Numero 2

Um das Smartphone nicht wegen jeder Benachrichtigung öffnen zu müssen, ist es mit einem zweiten, sehr kleinen Display an der Außenseite ausgestattet. Das befindet sich schön arrangiert gleich neben der Dual Kamera. Dort werden die wichtigsten Benachrichtigungen angezeigt. Allerdings erst, nachdem man doppelt darauf getippt hat – so etwas ähnliches wie Always-On gibt es also nicht. Angesichts einer fehlenden Notification LED, die meiner Meinung nach leicht unterzubringen gewesen wäre, ein kleiner Nachteil. Dafür kann es als Kamerasucher genutzt werden: Nach Schnellstart der Kamera-App (2 maliges Drücken der Powertaste) kann also die Hauptkamera als Selfie-Linse genutzt werden.

Samsung Galaxy Z Flip – Ausstattung und Software

Wer sich ein Galaxy Z Flip gönnt, sollte sich eines merken: Es handelt sich trotz der robusten Bauweise um ein empfindliches Stück Technik. Von Staub und Wasser sollte man es wenn möglich fern halten: Es ist nicht IP zertifiziert, Staub kann für unschöne Kratzer am Display sorgen und womöglich in den Klappmechanismus eindringen. Wer all das beachtet, sollte mit dem Smartphone aber lange auskommen – nicht nur wegen der laut Samsung problemlos möglichen 200.000 Faltvorgänge.

Die Ausstattung in Sachen Rechenleistung spricht nämlich für sich: Für richtig viel Leistung sorgt der Qualcomm Snapdragon 855 Prozessor samt 8 GB Arbeitsspeicher – damit liegt es durchwegs vor der Galaxy S10 Reihe aus dem Vorjahr und nur knapp hinter der aktuellen Galaxy S20 Serie. Der interne Speicher sollte dank 256 GB auch nicht so schnell ausgehen, eine Erweiterung via Micro-SD Karte ist aber nicht möglich.

Leider fehlt eine Kopfhörerklinke – Musik muss also via Bluetooth oder den recht brauchbaren Stereo-Lautsprechern gehört werden. Es gibt anders als beim S10 oder S20 kein Dolby Atmos, Sound klingt also nicht ganz so satt und raumfüllend.

Ale Betriebssystem kommt Android 10 samt Samsung OneUI 2.0 zum Einsatz. Ähnlich wie auf allen anderen neuen Samsung Smartphones ist die Video-Telefonie App Duo von Google tief im System integriert. Das erwähne ich deswegen, weil gerade diese App vom Falt-Design profitiert: Das Smartphone kann im 90 Grad Klappwinkel auf den Tisch gelegt werden, der Videostream läuft dann auf der oberen Hälfte des Displays, während auf der unteren Hälfte die Steuerelemente angezeigt werden. Samsung nennt dieses Feature Flex Mode – neben Duo funktionieren damit derzeit die Galerie und die Kamera App. Das Feature soll aber noch für viele andere Apps kommen. Split-Screen – was sich schon allein wegen der Größe des Displays anbietet – funktioniert natürlich auch.

Samsung Galaxy Z Flip – Kamera

Aufgrund der extravaganten Bauweise war es nicht möglich, eine ähnlich prominente Kamera wie bei der S20-Reihe unterzubringen. Die 12 Megapixel Hauptkamera stammt im Großen und Ganzen von der S10 Reihe – allerdings ohne adaptive Blende, sondern mit fixer ƒ/1.8 Öffnung. Wie schon weiter oben angesprochen, kann die App im Flex Mode gestartet werden – das ist vor allem dann interessant, wenn man über einen längeren Zeitraum eine Hyperlapse-Aufnahme machen möchte. So legt man sein Smartphone einfach im gewünschten Winkel auf den Tisch und drückt den Auslöser – ein bei anderen Smartphones unbedingt notwendiges Stativ ist nicht notwendig.

Aufnahmen mit der 12 Megapixel ƒ/2.2 Linse sind was Farben und Weißabgleich betrifft mit der Hauptkamera abgestimmt – ähnlich wie beim iPhone gibt es hier also mit jeder Linse was diese Faktoren betrifft die selben Ergebnisse. Gegenüber der Hauptkamera kommt mehr Weichzeichner zum Einsatz, das merkt man vor allem bei lichtschwachen Verhältnissen. Insofern wäre es vielleicht besser gewesen, auf einen Chip mit mehr Pixel samt Pixel Binning auszuweichen, denn gerade bei Low-Light Aufnahmen zahlt sich diese Technologie besonders aus.

 

Samsung Galaxy Z Flip – Fazit

Das Samsung Galaxy Z Flip wird es ab 21.02.2020 bei A1 in limitierter Stückzahl geben. Wer das begehrte Stück Technik sein eigen nennen möchte, muss allerdings recht tief in die Tasche greifen – Extravaganz hat eben seinen Preis. Und man macht sozusagen Pionierarbeit: Ich kann mir gut vorstellen, dass faltbare Smartphones ähnlich diesem Konzept den Markt erobern werden. Dafür sprechen einfach die Handlichkeit, das Gefühl etwas wirklich neues zu haben und die technische Reife, die diese Produkte in den nächsten Jahren bekommen werden.

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