Galaxy S20 Ultra: Die Kamera als Superlativ

Samsung Galaxy S20 Ultra

Smartphone Hersteller reden gerne in Superlativen. Das Mitte Februar vorgestellte Samsung Galaxy S20 Ultra macht hier keine Ausnahme: 108 Megapixel, 100-fach Zoom, 8K Aufnahme – alles Features, die es bisher noch bei keinem anderen Smartphone gab. Doch bedeutet das auch, dass Fotos automatisch besser werden? Alle wichtigen Fakten zur Kamera am Galaxy S20 Ultra hier in der Übersicht.

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Galaxy S20 Ultra – gefangen im Pixelmeer

Während das Kamera Setup am Galaxy S20 und Galaxy S20+ weitgehend ident ist, wurde das Galaxy S20 Ultra mit einem in der Smartphone Welt bisher einzigartigen Setup bestückt. Das beginnt gleich bei der Hauptkamera: Sie wurde mit dem hauseigenen Samsung Isocell Bright HM1 Sensor ausgestattet. Das besondere an dem Chip sind nicht nur die 108 Megapixel. Zum einen ist der Chip sehr groß: Ein großer Sensor bedeutet, dass er einerseits mehr Licht einfangen kann, andererseits bietet er eine flache Bildtiefe, die es ermöglicht Objekte besser vom Hintergrund zu isolieren. Zusammen mit der offenen ƒ/1.8 Blende sollte das für extrem gute Bokeh Aufnahmen dienen – ein Feld, in dem Smartphone echten Systemkameras immer noch etwas unterlegen sind.

Galaxy S20 Ultra - Kamera
Hauptkamera 108 Megapixel, ƒ/1.8 | Brennweite: 26mm (Kleinbild) | Chipgröße = 1/1.33"= 0.8µm Pixel, OIS
Sekundäre Kamera 48 Megapixel, ƒ/3.5 | Brennweite: 103mm (Tele) | Chipgröße: 1/2.0" = 0.8µm Pixel , AF, OIS, 4x optischer Zoom
Dritte Kamera 12 Megapixel, ƒ/2.2, Brennweite: 13mm (Ultraweitwinkel), 1.4µm Pixel
Vierte Kamera 0.3 Megapixel, TOF 3D, ƒ/1.0, (Tiefeninformation)
Selfie Kamera 40 Megapixel, ƒ/2.2, 26mm (Kleinbild) | 0.7µm Pixel

Die andere Besonderheit liegt an der Art, wie die Pixel zusammenarbeiten. Via Pixel Binning werden immer jeweils 9 0,8µm Pixel zu einem großen 2,4µm Pixel zusammengefügt – und die wiederum fangen immer dieselbe Primärfarbe (also Rot, Blau oder Grün) ein.

Samsung Galaxy S20 Ultra NonacellQuelle: Samsung
Das sollte dafür sorgen, dass vor allem in lichtschwachen Situationen die Bildqualität besser ist, da es weniger Rauschen gibt und das Bild somit klarer und detailreicher wird. Ein kleiner Nachteil am Aufbau des Chips kommt dann zu tragen, wenn man auf Tiefenunschärfe verzichten und die gesamte Aufnahme ausgewogen scharf abbilden möchte. Also zum Beispiel wenn man ein nahes Objekt komplett scharf abbilden will. Bei einer Systemkamera würde man einfach die Blende schließen – beim Galaxy S10 ging das dank variabler Blende auch. Beim Galaxy S20 Ultra wird man aufgrund des Sensors aber merken, dass der Hintergrund mitunter unschärfer als bei anderen Smartphones sein wird.

Galaxy S20 Ultra – was steckt hinter dem 100-fach Zoom?

Kommen wir zum nächsten Superlativ am Galaxy S20 Ultra: Dem 100-fachen, wie Samsung es nennt, Space Zoom. Die Telelinse am S20 Ultra verfügt dank Periskop-Aufbau über eine Brennweite von etwa 103mm, was einen optischen Zoom-Faktor Größe 4 bedeutet – also weit entfernt von den möglichen 100. Der unter den Tele-Linsen verborgene Chip verfügt dank seiner Größe trotz der relativ lichtschwachen ƒ/3.5 Blende über gute Voraussetzungen für vielversprechende Bilder.

Samsung Galaxy S20 Periskop LinsenQuelle: Samsung
Die hohe Vergrößerung kann also nur durch digitale Vergrößerung erreicht werden. Und ist damit mehr ein Marketing-Merkmal als ein Garant für schöne Aufnahmen: Erstens ist es extrem schwierig, sein Smartphone ruhig genug zu halten, um Aufnahmen mit dieser Vergrößerung nicht zu verwackeln – optischer Bildstabilisator hin oder her. Zweitens wird es durch das winzige Gesichtsfeld schwer, das gewünschte Motiv zu finden – wiewohl Samsung hier Abhilfe schafft, im Kamerasucher wird eine Übersicht des Motivs angezeigt. Drittens macht es schlicht wenig Sinn, eine Aufnahme in solch extremen Ausmaßen digital zu vergrößern – egal wie gut der Chip und die Linsen sind, das Motiv wird immer matschig und verpixelt bleiben.

Amgesichts dessen ist es wohl besser, sich beim Zoomen auf den Faktor 30 zu beschränken. Das sollte für die meisten von uns immer noch reichen und das Galaxy S20 Ultra liefert hier tadellose Ergebnisse, die sogar das Mate 20 Pro übertreffen. Unter bestimmten Umständen – zum Beispiel beim 2-fach Zoom – bedient sich das S20 Ultra übrigens eines Tricks: Die Telelinse wird ja erst ab Vergrößerung um den Faktor 4 verwendet. Für alle Zoom-Stufen darunter wird ein aus Haupt- und Telekamera errechnetes Bild erstellt. Bei genauem Hinsehen ist das dann im Endergebnis auch erkennbar. Mehr dazu gibt es dann im ausführlichen Praxistest.

Galaxy S20 Ultra – Weitwinkel

Die am wenigsten spektakuläre Linse am S20 Ultra ist wohl die 12 Megapixel ƒ/2.2 Weitwinkel Linse bei einer Brennweite von nur 13 mm. Sie muss als einzige ohne optischem Bildstabilisator auskommen – angesichts der geringen Brennweite ist das auch kein Problem. Problematisch ist hingegen, dass auch sie – wie in den Vorgängermodellen – ohne Autofokus auskommen muss. Wenn man also auf seiner Aufnahme alle Aufmerksamkeit auf ein nahes Objekt richten möchte, wird man merken, dass es relativ weit außerhalb des Fokus liegt. In der Regel wird es gerade bei Weitwinkel eher selten zu solchen Situationen kommen, trotzdem wäre gerade angesichts des hohen Preises des Galaxy S20 Ultra ein Autofokus auch bei der Weitwinkellinse nett gewesen.

Galaxy S20 Ultra – die Kamera der Superlative?

In der Theorie gibt es also richtig viele Neuerungen bei der Kamera am Samsung Galaxy S20 Ultra. Inwieweit sich die dann auch positiv auf die Ergebnisse auswirken, bleibt abzuwarten. Wir werden die Kamera des S20 Ultra jedenfalls ausgiebig testen, sobald wir ein Gerät zur Verfügung gestellt bekommen.

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