VR auf dem Vormarsch | Jetzt geht’s endlich los

Bereits vor etlichen Jahren war ich begeistert von den ersten VR-Brillen – und das auch mit Recht, wie ich nach wie vor der Meinung bin. Meine Hoffnung, der große VR-Durchbruch kann eigentlich nur eine Frage der Zeit sein, wurden aber leider lange nicht erfüllt. Das Problem: Zu teuer die Brillen, zu hoch die Anforderungen, zu klein das Angebot an Inhalten. Doch 2019 war ein derart starkes Jahr für VR, dass ich wieder große Hoffnungen in die vorübergehend totgesagte Technologie setze.

Der Aufschwung kommt

Was bringt mich zur Überzeugung, dass 2020 nun endlich der große Durchbruch für die VR kommen könnte? Der Grund dafür ist am 21. Mai 2019 am Markt erschienen und heißt Oculus Quest. Die Facebook-Brille läutet eine neue Ära an VR-Brillen ein. Sie schafft es, eine geniale Brücke zwischen autarkem VR-Erlebnis und PC-gebundener Qualität zu schlagen – und das zu einem sehr attraktiven Preis.

Spricht für sich

Technisch hat die Oculus Quest einiges zu bieten. Sie besitzt zwei OLED-Displays mit jeweils 1.600 x 1.440 Pixel, eine Bildwiederholrate von 72 Hz sowie ein Sichtfeld von 95 bis 100 Grad. Außerdem kann der Augenabstand manuell verstellt werden, was im Vergleich zu anderen Geräten keine Selbstverständlichkeit ist. Vergleicht man die Brille mit den „großen Kalibern“ wie der Vive Pro oder der aktuell besten VR-Brille, der Valve Index, stellt man schnell fest, dass die Quest in vielen Bereichen zumindest geringfügig das Nachsehen hat. Sie weist jedoch zwei entscheidende Vorteile auf: Sie kostet einen Bruchteil der High-End-Geräte (449 € lt. Amazon, Stand: Dezember 2019) und sie kann ohne Verbindung zu einem PC und ohne Kabel betrieben werden. Das erleichtert die Bedienung, senkt die Anforderungen und erhöht den Spielspaß.

Kein PC nötig

Während man für den Betrieb der meisten VR-Brillen einen leistungsstarken Rechner benötigt, der zusätzlich zur Brille auch einiges kostet, hat die Oculus Quest alle nötigen Chips im Gehäuse integriert. Die eigene Store-Bibliothek umfasst insgesamt weniger Titel, da diese nicht einfach von Steam oder anderen Plattformen übernommen, sondern von Entwicklern an die Bedürfnisse der Quest angepasst werden müssen. Die Grafikqualität wird beim Portieren meist reduziert – ein Unterschied, den man sieht, aber nicht spürt. Ich habe beispielsweise den Zombie-Shooter Arizona Sunshine sowohl auf der HTC Vive als auch der Oculus Quest gespielt. Im Vergleich ist ein Grafikunterschied eindeutig zu erkennen. Dieser fällt aber nicht sonderlich ins Gewicht, da bei VR-Games die Bildwiederholungsrate einen wesentlich größeren Einfluss auf den Spielspaß hat. Und hier kann klar festgestellt werden, dass beide Brillen den Titel ruckelfrei wiedergeben.

Oculus Quest

Bild: Gregor Lorbek

Quest mit Link

Seit Ende 2019 bietet die Quest außerdem die Möglichkeit, sie mit Hilfe eines leistungsstarken USB-C-Kabels mit einem PC zu verbinden, und sie als Oculus Link quasi wie eine kabelgebundene PCVR-Brille zu verwenden. Man bekommt Zugriff auf die umfangreicheren Stores von Oculus oder Steam und profitiert von der Leistung des PCs. Das bedeutet, die Grafikqualität der Spiele wird besser und Games, die aufgrund ihrer hohen Anforderungen nicht auf der kabellosen Quest spielbar sind, können nun problemlos genossen werden. Das beste aus beiden Welten also – und das sehe nicht nur ich so:

Die Zahlen sehen gut aus

Superdata, die auf VR spezialisierte Abteilung des Marktforschers Nielsen, kalkulierte für 2019 ein Umsatzplus des gesamten VR-Marktes von 31 Prozent im Vergleich zu 2018. Der Gesamtumsatz soll bei 2,1 Milliarden US-Dollar liegen. Dabei sollen 38 Prozent der 2019 verkauften VR-Brillen autark (also unabhängig von einem PC) sein – ein Plus von 11 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Seit Markteinführung bis September 2019 wurden allein 400.000 Einheiten der Oculus Quest verkauft. Zusätzlich sind kabelgebundene VR-Brillen ebenfalls weit verbreitet: Sie machen 46 Prozent des VR-Marktes aus und lediglich 16 Prozent fallen 2019 auf Smartphone-Halterungen.

Das Angebot wächst

Günstigere Brillen, der Wegfall eines leistungsstarken Rechners und das steigende Angebot machen VR-Brillen für immer mehr Menschen interessant. Wirft man einen Blick auf die Spiele, stellt man erfreut fest, dass bereits etliche hochwertige Titel den Weg in die Stores gefunden haben. Zwar ist der Anteil der kurzweiligen Gelegenheitsspiele nach wie vor hoch, Spiele mit Tiefgang, einer spannenden Geschichte und einer längeren Spieldauer werden jedoch immer präsenter. Hier denke ich neben dem kurzweiligen Beat Saber, das nach wie vor eines der beliebtesten VR-Spiele ist, vor allem an No Man’s Sky VR, Asgard’s Wrath, Borderlands 2 VR oder A Fishermans‘ Tale (alle 2019 erschienen).

Wie sieht’s eigentlich mit AR aus?

Augmented Reality ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Zwar nicht in Form von AR-Brillen wie der Hololense, aber als unzählige Filter, die uns jünger, älter, größer, kleiner, männlicher oder weiblicher aussehen lassen und die sozialen Medien 2019 regelrecht geprägt haben – #FaceApp. Hier ist auch in Zukunft ein weiterer Aufwärtstrend zu erwarten. Immer mehr Unternehmen setzen beispielsweise auf AR-Filter, die Kunden vor einem Kauf einen realistischen Ersteindruck eines Produkts vermitteln sollen. Die Einsatzmöglichkeiten scheinen insgesamt breiter aufgestellt als jene der VR.

FaceApp AR Filter

Was bringt die Zukunft?

2020 dürfte ein spannendes Jahr für VR werden. Der von Valve entwickelte Ego-Shooter Half Life: Alyx wird von vielen als der große VR-Titel bezeichnet, auf den Spieler seit langem gewartet haben. Der Release könnte die Verkäufe der kabelgebundenen Brillen stark vorantreiben. Die Entwickler haben außerdem bereits mitgeteilt, dass das Spiel nicht nur für die hauseigene Brille Index erscheint, sondern auch auf anderen Geräten wie der Oculus Quest mit Link gespielt werden kann. Hinzu kommt, dass zum Weihnachtsgeschäft 2020 die neuen Konsolen PlayStation 5 und Xbox Series X erscheinen und während Microsoft offiziell keinen Fokus auf VR legt, könnte die neue Hardware der PlayStation eine Neuauflage der PSVR begünstigen. Ich persönlich bin mit meiner Quest jedenfalls sehr happy und freue mich auf alles, was 2020 kommen wird.

Für dich zum Abonnieren:

Das könnte dich auch interessieren:

Gib deine Meinung ab:

  • Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

Loading Facebook Comments ...