Alle Kerzen auf einmal ausblasen wird schwer – Happy 70er John Carpenter!

„KATALYSATOR bezeichnet in der Chemie einen Stoff, der die Reaktionsgeschwindigkeit durch Senkung der Aktivierungsenergie einer chemischen Reaktion erhöht, ohne dabei selbst verbraucht zu werden.“ (Wikipedia, 10.01.2018)

Im Falle von John Carpenter heißt das, die Art und Weise wie Filme und Musik gemacht werden wesentlich zu prägen, ohne dafür die verdienten Lorbeeren zu kassieren.

Viele junge Kinobesucher fangen mit dem Namen „John Carpenter“ nichts an. Sein letzter filmischer Streich „The Ward“ lief 2010 in den Kinos. Meiner Meinung nach ein solider Film, wenn es sich um ein Debüt und nicht um ein Produkt des Altmeisters selbst handelt, der uns filmische und musikalische Werke mit dem Gütesiegel „Kult“ beschert hat.

In der A1 Videothek findet ihr in unserem „Happy 70er John Carpenter Special“ eine Auswahl seiner Kultfilme um seinen Geburtstag am 16. Jänner gebührend zu feiern. Also am besten gleich die Mediabox starten und eintauchen…

Wer sich von den bisher geschriebenen Zeilen nicht losreißen kann, für den gibt es allerdings noch mehr Lesestoff.

Carpenter wird bereits in jungen Jahren Vater. Sein „Sohn“ ist der berühmt berüchtigte Michael Myers, der heute noch in beständig wiederkehrenden Fortsetzungen durch die Hügel Hollywoods geistert.

Mit „Halloween – Die Nacht des Grauens“ aus dem Jahr 1978 wurde unser Geburtstagskind einer der Begründer des Horrorsubgenres „Slasher“. Die blutige Filmperle ist die prototypische Vorlage für diese Art des Horrorfilms: Ein irrer Killer, meist in ikonischer Verkleidung und Maskerade, meuchelt unkeusche, kiffende und betrunkene Jugendliche. Neben dem unvorhersehbaren, langfristigen Erfolg dieses Konzepts rieben sich Studiobosse Anfang der 80er über die kurzfristige Erfolgswelle die Hände und der Filmemacher war plötzlich eine „heiße Aktie“.

Die „berührende“ Aufarbeitung der tragischen Familiengeschichte zum Fest der Geister zeigt aber auch, was Carpenter als Künstler auszeichnet: Klare Visionen, großartige künstlerische Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen der Filmproduktionen; garniert mit einfachen und günstigen Mitteln, die jedoch von größter Wirkung sind.

„Cheap Tricks (aka „Anser Schmähs“)“ gibt Carpenter zu, „setzt er gerne ein, solange sie wirken“, während er lässig, oft mit einer Zigarette im Mundwinkel, Interviews gibt. Es folgten die Klassiker „The Fog – Nebel des Grauens (1980)“ und „Die Klapperschlange aka Escape from New York (1981)“, welche heute noch filmische Meilensteine sind und zu ihrer Zeit kommerzielle Erfolge waren.

„The Fog“ ist im Grunde eine klassische Gespenstergeschichte, bei der Filmemacher rachedürstende Geister mit einem phänomenalen Soundtrack und großartiger Atmosphäre in Szene setzt.

„Die Klapperschlange“ präsentiert eine düstere Zukunftsvision der U.S.A., die New York in eine Gefängnisinsel verwandelt. Mit dem Film stieg auch Kurt Russell eine Sprosse höher auf der Erfolgsleiter Richtung „Superstar“. Als ikonischer Anitheld Snake Plissken muss er den US-Präsident aus der „Schlangengrube“ New York retten und das gelingt dem schlitzohrigen, einäugigen Outlaw stets mit einem passenden „One-Liner“ auf den Lippen!

Und dann kam mein Geburtsjahr 1982. Das Jahr, in dem Steven Spielberg John Carpenters Karriere den Todesstoß gab! Wie bei einem Boxkampf in der „Science-Fiction-Klasse“ standen sich zwei große, allerdings komplett unterschiedliche Filmhits gegenüber. Spielbergs hilfloser, familientauglicher „E.T.“ vs. Carpenters existentielles, explizites „Das Ding aus einer anderen Welt“.

Das US-Publikum entschied sich im Kinosommer des Jahres 1982 für „E.T.“ Carpenters bis dato teuerste Filmproduktion floppte an den Kinokassen. Der Jubilar gesteht offen ein, dass ihm der Misserfolg dieses Films das Herz brach. Die vorher so weit geöffneten Tore Hollywoods waren geschlossen und der Regisseur wurde angehalten wieder kleinere Brötchen zu backen.

Retrospektiv betrachtet ist diese Niederlage am Box Office für den Filmemacher doppelt bitter. Erstens ist meiner Ansicht nach „Das Ding aus einer anderen Welt“ Carpenters bester Film. Zweitens stellt sich die Frage, ob seine Karriere anderes verlaufen wäre: Welche seiner Visionen hätte er mit mehr Budget umsetzen können?

Es bleibt spekulativ. Treu geblieben ist er sich auf jeden Fall, wie er uns in „Sie leben! a.k.a They live! (1988)“ beweist.

Was Ende der 80er noch als persönliche Abrechnung des Altmeisters mit der Unterhaltungsindustrie gesehen werden kann entpuppt sich 30 Jahre später als gelungener Blick in die Zukunft. VR-Brillen, ungehemmter Konsumwahn und der subversive Konformismus bringen uns näher an diese Zukunftsvision heran, als es uns Carpenter filmisch seinerzeit prophezeit hat. Nicht einmal Außerirdische brauchen wir für diese Art von Gesellschaft!

Der „Leonardo da Vinci Hollywoods“ geht es mit seinen Filmprojekten ruhiger an und widmet sich mehr der Musik. Jedem Musikfan lege ich daher die „Lost Themes I + II“ ans Herz und wer die Chance hat Carpenter live mit Band zu sehen, sollte diese nutzen!

Viel Spaß beim Anschauen und Zuhören wünscht euch

Philipp

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