Der Mann hinter den Lederhosenzombies – Interview mit Dominik Hartl

 

Attacke der Lederhosen Zombies

Der Zombiefilm gehört mittlerweile weltweit zum kulturellen Mainstream. Und endlich gibt es einen neuen, hervorragenden Beitrag zu dem Genre aus Österreich.

Der Eröffnungfilm des /slash Filmfestivals 2016 „Angriff der Lederhosenzombies“ erobert ab 24. Februar die A1 Videothek im Schneesturm.

Ohne viele Worte zu verlieren: Lasst euch diese skurril-blutige Hüttengaudi auf keinen Fall entgehen!

Wem die 78 Minuten zwischen Apres Ski, fürchterlichen Kunstschneechemikalien und Untoten nicht genug sind, lade ich zum Lesen des Blogs ein. Ich habe bei Regisseur Dominik Hartl nachgefragt:

 

A1 Blog: Lieber Dominik, zunächst einmal ein großes Dankeschön, das du dir die Zeit nimmst, einige unserer Fragen zu beantworten. Einige Leute „kommen auf den Hund“, wie bist du „auf den Film gekommen“? Was motiviert dich, Filme zu drehen?

Dominik Hartl: Ich habe mit 12 Jahren begonnen Filme zu machen – kleine Stop-Trick-Animationen mit Lego. Da ging es auch schon ziemlich blutig zu. Später habe ich dann kleine Filmchen mit Freunden und schließlich richtige Kurzfilme gedreht. Filme zu machen war quasi mein erweitertes Spielzimmer.

A1 Blog: Von der Idee bis zum fertigen Film, was sind für dich die größten Herausforderungen beim Filme machen im Allgemeinen? Welche waren es bei „Angriff der Lederhosenzombies“?

Dominik Hartl: Eine der größten Herausforderungen ist sicher die Zeit. Von der Idee bis zum fertigen Film vergehen in der Regel ja mindestens zwei Jahre. Bei den Lederhosenzombies waren es sieben. Es braucht viel Anstrengung den Enthusiasmus aufrecht zu erhalten und diese ursprüngliche Begeisterung bis zum Ende mitzunehmen – falls man es überhaupt finanziert bekommt.

A1 Blog: Wie bist du an die richtigen Leute für die gelungenen SFX gekommen? Da in Österreich eher wenige Horrorfilme gedreht werden, war das sicher nicht ganz einfach, oder?

Dominik Hartl: Es gibt eigentlich sehr viele sehr gute Leute in Österreich für Special Effects. Mir kommt vor, dass es eher zu wenige Stoffe gibt, damit die sich austoben können. Bei den Lederhosenzombies haben wir sehr auf analoge Effekte gesetzt und möglichst keine Computer-generierten Bilder. Das hat den Dreh zwar teilweise verkompliziert, aber es macht halt viel mehr Spaß das alles „in echt“ zu kreieren – und ich finde es sieht auch besser aus.

 

A1 Blog: „Angriff der Lederhosenzombies“ ist im besten Sinne eine verrückte Mischung aus typischen österreichischen Zutaten wie Apres Ski, Alkoholkonsum im Übermaß und unter den Tisch gesoffene Russen fein vermengt mit Anleihen von Horrorperlen wie „Tanz der Teufel“ und „Braindead“: Ist am Set selbst auch etwas verrücktes passiert?

Dominik Hartl: So einiges: wir haben ja von sechs Wochen Dreh vier Wochen lang außen Nachts auf über 2000m Seehöhe gedreht – und das im Winter. Es gab fast jede Nacht einen Schneesturm und wir mussten unsere Kulissen oft zwischen den Einstellungen wieder ausbuddeln. Es gab auch ein paar haarige Situationen: einer unserer Darsteller, Karl Fischer, wäre einmal fast mit der Kleidung in eine Schneekanone gesaugt worden, unser SFX-Meister wurde unter einem 150kg Zombie-Darsteller begraben und hat dabei seinen Bizeps verloren und ich bin einmal in ein Schneebrett geraten. Außerdem hatten wir noch zig Stunts mit unseren Snowboard-Doubles. Zum Beispiel musste ein Snowboarder aus einem fliegenden Hubschrauber springen und am Abend vor dem Dreh hat sich herausgestellt, dass er das noch nie gemacht hat und dass der Hubschrauber für so eine Aktion eigentlich gar nicht geeignet ist. Es ist aber alles gut ausgegangen – wir hatten sicher mehr Glück als Verstand bei diesem Projekt.

A1 Blog: Beim „Fantaspoa Filmfestival“ hat „Angriff der Lederhosenzombies“ zwei Preise abgeräumt, in den österreichischen und deutschen Kinos ist dein Film bereits gelaufen und jetzt lechzen die Zombies nach den Zuschauern in ihren Wohnzimmern. Wie sieht deine Zwischenbilanz aus?

Dominik Hartl: Wir konnten die Lederhosenzombies inzwischen in die ganze Welt verkaufen, was sicher nicht selbstverständlich ist für einen österreichischen Film. Horror-Komödien und Zombies im speziellen haben ein sehr internationales und eingeschworenes Publikum, wo man gerne auch Produktionen aus so „exotischen“ Ländern wie Österreich sieht. Deshalb sehe ich dem VOD und DVD Start im Frühjahr sehr optimistisch entgegen.

A1 Blog: Wie schon vorher „angeschnitten“: Die österreichische Filmlandschaft gleicht ein wenig einer stark subventionierten Monokultur voller dramatischer, schwerer Geschichten während „(österreichische) Genrefilme“ wie z.B. „Das finstere Tal“, „In 3 Tagen bist du tot“ oder auch „Angriff der Lederhosenzombies“ das unfreiwillige Leben von Mauerblümchen führen. Wie schwer war es daher, die zuständigen Behörden & Förderer von deinem blutig-„skurrilen“ Projekt zu überzeugen? Wie läuft so ein Finanzierungsprozess prinzipiell ab?

Dominik Hartl: Bei der Finanzierung muss man sehr viele Juries von seinem Vorhaben überzeugen, das war ein jahrelanger Prozess bei uns, teilweise auch mit mehreren Anläufen. Es gibt die großen, bundesweiten Förderer, wie das Filminstitut und den ORF und dann sehr viele regionale Förderungen. So kratzt man nach und nach die Kohle für das Budget zusammen. Schwierig für uns waren oft die regionalen Förderungen, weil die sehr stark an den Tourismus gebunden sind. Eine meiner Lieblings-Absagen war, dass der „touristische Mehrwert des Projekts nicht erkennbar ist.“ Ich bin da ja gegenteiliger Meinung. Wir haben dann den letzten Teil der Finanzierung schließen können, weil wir größtenteils in Südtirol gedreht haben, wo gerade sehr viel Geld für die Filmförderung ausgegeben wird.

Dominik Hartl, Regisseur von Angriff der Lederhosen Zombies, bei den Dreharbeiten

A1 Blog: Glaubst du, dass Genrefilme wie „Angriff der Lederzombies“ in Österreich weiterhin die Ausnahme bleiben oder findet langsam ein Umdenken statt? Polemisch gesagt: Werden in Zukunft mehr Filme gefördert, die das breite Publikum ansprechen anstatt weiterhin zu versuchen, wenige Zuschauer aus dem Elfenbeinturm ins Kino zu locken?

Dominik Hartl: Ich finde da hat in Österreich bei den großen Förderern ein Umdenken in den letzten Jahren stattgefunden. Es werden inzwischen recht viele Genre-Filme gefördert. Da hat man es hier viel leichter als zum Beispiel in Deutschland. Schwieriger scheint es dagegen oft das heimische Publikum von Genre-made-in-Austria zu überzeugen. Da fehlt noch das Vertrauen. Außerdem ist man natürlich immer dem direkten Vergleich mit großen amerikanischen Produktionen ausgesetzt. Aber ich glaube, dass wir uns da wirklich nicht verstecken brauchen. In Österreich wird für die verhältnismäßig kleinen Budgets auf sehr hohem Niveau produziert.

A1 Blog: Wie geht es für dich weiter? Was sind so deine nächsten filmischen Projekte?

Dominik Hartl: Bei mir geht es erstmal blutig weiter: ich schicke im kommenden Sommer eine Schulklasse auf Matura-Reise nach Kroatien, was jedoch nicht alle überleben werden. Das soll ein richtig schöner Teen-Slasher werden, mit allem was dazu gehört. Der Film soll im Sommer 2018 ins Kino kommen, kurz vor Schulende.
Ich arbeite auch noch an einer handvoll anderer Projekte, die sind allerdings noch nicht spruchreif.

A1 Blog: Vielen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke.

Nun können die Lederhosenzombies kommen!

Viel Spaß beim Lesen und Schauen,
Philipp

 

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