Wie ein Glasfasernetz entsteht

Was Glasfaser und Diamanten gemeinsam haben? Bis vor Kurzem hätte ich auf diese Frage ebenfalls keine Antwort gewusst. Ich bin in einem Telekommunikationsunternehmen beschäftigt und kann mit den Begriffen „Glasfaser“ und „Spleißen“ umgehen. Wie Spleißen vor Ort, direkt bei den Technikerinnen und Technikern aussieht, habe ich bisher noch nicht entdecken können. Daher war es Zeit für mich, diese Erfahrung nachzuholen.

Fangen wir aber ganz von vorne an. Die Geschichte der Glasfaserleitungen – sie basieren auf Lichtwellentechnologie, auch LWL abgekürzt – ist eine kürzere als jene der Kupferleitungen. Die Entwicklung war notwendig, da in Zeiten von immer höheren Bandbreiten die Kupfertechnologie mehr und mehr an ihre Grenzen stößt. Zwar lassen sich diese Grenzen durch gut überlegte Technologien wie beispielsweise G.fast ausweiten – ein dichtes Netz an Leitungen aus Glasfaser ist trotzdem notwendig, um Österreich in Sachen Breitband in Zukunft fit zu halten.

Von Lichtbögen und Diamantschneidern

Bevor das Spleißen der Glasfasern beginnen kann, erzählt mir der junge Techniker, wie er zu dieser Tätigkeit gekommen ist. Alles hat begonnen mit einer Lehre zum EDV- und Telekommunikationstechniker. Dann kam der Spleißerkurs, den er ebenfalls im Unternehmen absolvierte. Dabei werden die Anwärterinnen und Anwärter auf Herz und Nieren geprüft. Spleißen kann nämlich auch eine sehr anstrengende und körperlich intensive Arbeit sein, erzählt er. Denn nicht selten müssen extreme Wetterbedingungen wie Nässe und Kälte ausgehalten werden.

Er zeigt mir zuerst einen einfachen Kabelstrang. Darin sehe ich noch nichts Besonderes. Doch in diesem Strang befinden sich 12 Fasern, welche zukünftig alle Möglichkeiten, die das WWW für uns bereitstellt, in unser Zuhause bringen werden. Um an den Kern zu kommen – also das pure Glas – müssen diese Kabel erst einmal abisoliert werden. So manchem würde dieser Vorgang bekannt vorkommen. Mich hat es an die Installation von Lampen erinnert. Der Unterschied zu einer einfachen Elektroinstallation liegt allerdings darin, dass das Innere um ein Vielfaches gebrechlicher ist. Denn ohne ihren schützenden Mantel ist die Faser nur mehr 125 Mikrometer dick (ein menschliches Haar hat einen Umfang von etwa 100 Mikrometern). Das ist so fein, dass es mir Schwierigkeiten bereitet hat, mit dem Zoom meiner Smartphone-Kamera die volle Pracht der reinen Glasfaser zu fokussieren.

Glasfasern
Vorgang Glasfaser spleißen

Nach der Entfernung der Kunststoffhülle muss die Faser nun mit reinem Alkohol von Schmutzpartikeln und sonstigen Störquellen befreit werden. Das ist notwendig, um eine reibungslose Übertragung zu garantieren. In einem weiteren Schritt schneidet der Techniker die Glasfaser punktgenau in einem rechten Winkel ab, damit diese mit der am Anschlussort vorhandenen Leitung verbunden werden kann. Dafür wird ein Diamantschneider verwendet. Dank diesem Gerät ist es möglich, einen besonders präzisen Schnitt zu erhalten.

Diamantschneider Glasfaser

Anschließend werden die beiden Enden mit der Fusionsspleißmaschine punktgenau aufeinander gespleißt. Das geschieht mit zwei in der Maschine angebrachten Elektroden.  Dabei entsteht ein durchgängiger Lichtbogen – der Vorgang kann von außen beobachtet werden. Diese Maschine wird benötigt, da aufgrund der besonderen Beschaffenheit und Feinheit der Fasern ein manuelles Spleißen wie bei Kupfer nicht möglich ist.

Fusionsspleißgerät Glasfaser Ausrichtung

Nach diesem Vorgang präsentiert mir der A1 Techniker ein fertig verbundenes Kabel. Dieses kann nun bis zu 16 Haushalte mit Breitband-Internet auf Basis von Glasfasertechnologie versorgen. Da die Spleißstelle sehr empfindlich ist, wird noch ein Schutzkern aus Kunststoff darüber gelegt. Dieser wird bei 60 Grad um die Stelle herum geschmolzen, um die Faser zu verstärken. Natürlich wird vor dem Einsetzen des Kabels in die Muffe eine Qualitätskontrolle durchgeführt.

A1 Glasfaser Muffe

Was haben also Diamanten und Glasfaser gemeinsam? Man könnte sagen, sie öffnen für uns den Weg ins WWW. Zumindest werden ähnliche Werkzeuge zur Bearbeitung des filigranen Materials verwendet, um sie für ein langes Leben – über Generationen hinweg – zu veredeln. Dazu kommt natürlich noch der Faktor Mensch im Form unserer A1 Technikerinnen und Techniker. Sie sind dafür veranwortlich, dass unser Netz fit für die Zukunft wird und lange bestehen kann :-).

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  1. David Müller

    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Neulich habe ich mich gefragt wie ein Glasfasernetz entsteht. Dieser Gedanke kam mir, als es um das Spleißen der LWL (Lichtwellentechnologie) ging. Ein Bekannter hat sich damit beschäftigt, doch ich hatte nie die Chance ihm meine Fragen zu stellen.

    • Elisabeth Meixner

      Lieber David, es freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefällt. 🙂 Einen schönen Freitag Nachmittag und liebe Grüße, Elisabeth

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